***U N S E R E   A U S S T E L L U N G ***
  Heinrich Zille (1858-1929) hat Berlin in der zu seiner Zeit von Industrialisierung, Bevölkerungszuwachs und Armut geprägten Phase ein Gesicht gegeben. Durch seine unermüdliche Arbeit, die Umsetzung der Beob¬achtungen in signifikante Abbildungen des urbanen Lebens hat Heinrich Zille ein Werk geschaffen, das in seiner spezifischen Qualität und Originalität Gene¬rationen von Menschen begeistert
    Am 10. Januar in Radeburg bei Dresden geboren, kam Heinrich Zille mit seiner Familie 1867 nach Berlin. Nach entbehrungsreichen Jahren absol¬vierte Zille von 1872-75 eine Lehre als Lithograph und trat 1877 eine Stelle in der »Photographischen Gesellschaft« an. Neben seiner Arbeit nahm Zille Zeichenunterricht und als frühe künstlerische Arbeiten entstanden Familienporträts und Land¬schaftsbilder.
    Eine Vielzahl von Freunden und Förderern, voran die Heinrich Zille Gesellschaft Berlin e.V., der Nikolai¬viertel e.V., die Berliner-Schultheiss-Brauerei und die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, haben sich für die Errichtung eines Heinrich-Zille-Museums einge¬setzt. Seit August 2002 wird Heinrich Zille, 73 Jahre nach seinem Tode, als bedeutendste Künstlerpersön¬lichkeit und 80. Ehrenbürger der Stadt Berlin in einem eigenen Museum geehrt. Das Heinrich-Zille-Museum zeigt neben einer circa 150 Zeichnungen, Druckgra¬fiken und Fotografien umfassenden Präsentation zum Leben und Werk des Künstlers Sonderausstellungen im gelegentlichen Wechsel.
   
    Unter dem Einfluss der Kunstbewegung des »Naturalismus« wandte sich Heinrich Zille seit 1890 der Darstellung alltäglicher Lebenssituatio¬nen mit Themen aus dem »dunklen Berlin« zu. Skizzen und Photographien dienten ihm zur Er¬schließung seiner Bildmotive. Seit 1901 konnte Heinrich Zille - gefördert durch die Künstler¬kollegen Gaul, Kraus und Liebermann - seine Arbeiten auf den Ausstellungen der »Berliner Secession« vorstellen und für eben diesen Kreis als Druckgrafiken reproduzieren. Aufnahme fan¬den diese Bilder in den modernen Zeitschriften »Simplicissimus«, »Jugend« und »Lustige Blätter«.
        
    1907 wird Heinrich Zille aus der »Photografischen Gesellschaft« entlassen und arbeitet nun als freischaffender Künstler. Bei seiner täglichen Suche nach Motiven in den Strassen entstanden die über¬aus lebendigen, kraftvollen Skizzen und Studien, in denen der Künstler Handlungen und Bewe¬gungsabläufe festhielt. Für ihn bedeutete dieser Hausschatz ein Bildgedächnis an authentischen Szenen, die er im Atelier zu den bekannten Zeich¬nungen weiterentwickelte.

Die große künstlerische Leistung Heinrich Zilles wurde 1921 durch den Ankauf von Werken durch die Berliner Nationalgalerie, die Ernennung zum Mitglied der Akademie der Künste 1924 und die Retrospektive »Zilles Werdegang« im Märkischen Museum 1928 gewürdigt. Ein Jahr darauf verstarb Heinrich Zille und wurde auf dem Waldfriedhof Stahnsdorf bei Potsdam beigesetzt.